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November 2010
Hallenrad-WM: Rosshaar und blaue Flecken Die Bälle fliegen mit 80 km/h um die Ohren, sind hart (aus Rosshaar) und hinterlassen dicke blaue Flecken am Körper. Zum Radball gehören auch Bodychecks: das bugsiert den Gegenüber schon mal über die Bande. Nichts für Softies, wie die Teilnehmer des WM-Workshops in Gärtringen erfuhren. Uwe Berner und Matthias König hatten sich den einzigen Platz für die Weltmeisterschaften in der Stuttgarter Porsche-Arena (26. bis 28. November 2010) gesichert. Jetzt demonstrierten sie in Theorie und Praxis, wie es geht, was sie können, wann es weh tut…
Radball auf allerhöchstem Niveau ist kein Kindergeburtstag. Bei den Deutschen Meisterschaften hatte das überragende Duo der Saison nochmals um die Nominierung zittern müssen. Nun trifft man beim Showdown auf die Besten aus der Schweiz, Österreich, Tschechien. „Die kennen uns. Wir sie. Jeder hat seine Spezialitäten, aber wir haben auch den Heimvorteil“, sagt Uwe Berner. Und Bundestrainer Jürgen King, selbst zweifacher Champion, ergänzt: „Der Druck ist extrem, aber die Euphorie hilft weiter.“
Uwe fungiert als Torwart, Matze König versucht die gegnerischen Angriffe zu unterbinden. In der Offensive kommt der großgewachsene Athlet von links. Der Kollege wiederum hämmert Eckbälle und Vier-Meter mit Brachialgewalt ins Netz. Am liebsten ins obere Dreieck des 2 x 2-m-großen Tores. Man versteht sich fast blind, im sechsten Jahr mit „Trauschein“. Natürlich „knallt es auch bei uns, aber seltener als bei Brüder-Teams“, sagt Berner, der im Bereitschaftsdienst für die Gemeinde Ehningen manchmal um 6.30 Uhr ran muss. Matthias König arbeitet als Sporttherapeut. Ihm gehen viele Ideen durch den Kopf, um den dynamischen Sport öffentlichkeitswirksamer zu präsentieren. Aber erst am Neckar aufs WM-Treppchen. Dafür wird bis spät abends in der Schwarzwaldhalle von Gärtringen trainiert, stehen Kraftarbeit und Laufeinheiten auf dem Programm.
„Man übt das Fallen“ sagt Matze, wenn ungläubige Medien-Vertreter nach der Verletzungsgefahr fragen. „Es passiert eher wenig“, seine Erfahrung. Dazu trägt das optimierte Material bei. Spezialräder im Wert von rund 2000 Euro mit verstärkten Stahlelementen und knallhart aufgepumpten Schlauchreifen. Erst als die WM-Tickets wirklich in der Tasche waren, präsentierten sich Berner/König in den neuen Anzügen des Verbandes: in glänzendem Weiß mit schwarz-rot-goldenem Aufdruck. Das Team Germany: beim Radball eine Zweier-Beziehung, hinter der aber Bundestrainer, Heim-Coach und eine immense Fan-Gemeinde stehen. Selbst der Gärtringer Bürgermeister will in den nächsten Tagen höchstpersönlich WM-Flyer verteilen.
Mehr Infos: www.hallenrad-WM-2010.de.
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