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Juli 2008
Oskar Beck wird nach Brüskierung und Zensur wütend Eigenlob stinkt, aber zum besseren Verständnis meines folgenden Wutausbruchs fällt mir kein besserer Einstieg ein als die Antwort, die im April-Interview unseres VDS-Verbandsorgans „Sportjournalist“ der Sportwissenschaftler Professor Dr. Helmut Digel auf die Frage gab, bei wem er noch den Sportjournalismus finde, den er suche: „Nur noch bei wenigen“, fand er, „zum Beispiel bei Oskar Beck. Früher bei Horst Vetten oder Hans Blickensdörfer.“
Viel schöner hätte es auch meine Frau nicht sagen können. Doch die Welt hat sich weitergedreht, nach dem April kam der Mai – und entnervt habe ich da meine Akkreditierung für die Fußball-EM zurückgegeben. Die war mir, um vorne zu beginnen, ursprünglich knallhart verweigert worden – anlässlich jenes Dreiergipfels, zu dem der DFB-Mediendirektor Harald Stenger seine VDS-Nominierungshelfer Hans-Joachim Zwingmann und Markus Gilliar um sich scharte. Beide versichern mir, anlässlich Stengers Idee, mich zu verhindern, kurz und vernehmlich gezuckt zu haben – aber dann haben sie doch genickt. Als ich anschließend über eine juristische Klärung meiner EM-Daseinsberechtigung nachdachte, wurde ich flugs nachakkreditiert. Mutig habe ich Matchtickets für sechs EM-Vorrundenspiele in der Schweiz bestellt, doch gleich das erste Gesuch wurde abgelehnt. Die UEFA hat es damit begründet, man habe „von Herrn Stenger (DFB) und Herrn Zwingmann (VDS) eine Liste erhalten, welche die Reihenfolge der deutschen Medien und Journalisten definiert“, und ich wurde dafür betrauert, dass meine Buchung „aufgrund der vom DFB/VDS vorgegebenen Order nicht mehr berücksichtigt werden konnte.“ Zwei weitere meiner Gesuche wurden abgelehnt – so ein hinterer Ranglistenplatz hat seine Tücken, wenn es um Tickets geht.
Man wirft in dem Fall besser das Handtuch. Aber ein paar Fragen hätte ich schon noch. Mein Berufsverband bestellt fürs VDS-Vereinsheft gerne Beiträge von mir, überschüttet mich seit kurz nach dem Krieg mit Preisen und Auszeichnungen – lässt mich aber im Regen stehen, wenn es um eine Akkreditierung für die EM geht. Mein Journalistenverband teilt sich das Nominieren seiner Journalisten mit dem Fußballverband, und ungeniert darf der DFB eine von ihm selbst kontrollierte Anwesenheitsliste bei Länderspielen heranziehen für die Entscheidung, welche Journalisten bei der EM über ihn berichten dürfen – das ist so, als hätte im umgekehrten Fall der VDS ein Mitspracherecht, wenn Jogi Löw seinen 23er-Kader nominiert.
Auf meine Frage, ob es daneben auch noch ein Qualitätskriterium gebe, hat mir VDS-Vizepräsident Jochen Zwingmann so kondoliert: „Es ist leider so, dass in der Gegenwart alle Qualitäten eines Sportjournalisten wohl nicht mehr zählen. Das ist die Realität. Im Kampf um Quoten und Abdrucke ist sich jeder selbst der Nächste. Das habe ich bei den Rankings deutlich gemerkt. Edelfedern, Preisträger, gute, unabhängige und verdiente Kollegen spielen leider überhaupt keine Rolle mehr. Jeder kämpft um seinen Platz. Da ist - für mich sehr bedauerlich - auch ein Oskar Beck mit in der Mühle.“
So bös ist halt die Welt, sagt mein VDS, jedenfalls hat sich die vom Kollegen Zwingmann zitierte Unabhängigkeit, die ich mir gegenüber dem DFB immer wieder gerne geleistet habe, als Schuss ins Knie erwiesen. Mit dessen Pressechef Stenger hatte ich letztes Jahr einen Streit, der zum Zerwürfnis führte, und anlässlich der EM ist nun das Urteil gesprochen worden, und der VDS hat es unterschrieben: Ich bin nicht EM-reif, denn ich bin kein ständiger, pünktlich erscheinender Länderspielschreiber, sondern nur ein über das nackte 1:0 hinausfaselnder Kolumnist, und dass ich bei einer Menge Welt- und Europameisterschaften akkreditiert war und bei der WM 2006 für das FIFA-Buch geschrieben habe oder das der Sporthilfe oder für ein paar größere Blätter, ist so belanglos wie mein lebenslanges berufliches Treiben. Man kommt sich als freier Journalist inzwischen fast vogelfrei vor. Doch bevor ich nach 30- bis 40jähriger Mitgliedschaft gegen meinen Berufsverband jetzt nachtrete, trete ich hiermit lieber nur aus ihm aus - Oskar Beck.
Anmerkung: Dies ist ein Leserbrief von Oskar Beck zur Akkreditierungskriterien (Fußball-Europameisterschaft 2008), der im VDS-Organ "Sportjournalist" bislang nicht veröffentlicht worden ist.
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