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Wolf-Dieter Rösner



Winter 2006
Wolf-Dieter Rösner: Der Reporter, der von der Piste ins Tor kam

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Wolf-Dieter Rösner, so wie Sie einst in die Nationalmannschaft gekommen sind, wird
heute wohl kein Spieler mehr rekrutiert?

Das kann man wohl sagen. Im Januar 1964 absolvierte die Nationalmannschaft drei Länderspiele, in denen die Torhüter keine gute Figur abgaben. Der damalige Bundestrainer Werner Vick suchte nach neuen Lösungen, und unvermutet kam ich ins Gespräch. Ich war damals als Reporter bei den Olympischen Winterspielen in Innsbruck. Dort erreichte mich die Einladung zum WM-Lehrgang in Hamburg. Gott sei Dank hatte mein Chefredakteur ein Einsehen für meine sportlichen Ambitionen und stellte mich frei, noch ehe die Winterspiele zu Ende waren. So flog ich am 4. Februar 1964 von Innsbruck aus via München nach Hamburg. Meine Sportkleidung hatte mein Vereins- kamerad Bernd Mühleisen von Stuttgart aus für mich mitgenommen.

Können Sie sich noch an Ihre WM-Premiere erinnern?
Ja. Ich war neben Rudi Delfs vom Polizei SV Kiel und Wolfgang Struck vom THW Kiel als Torhüter für die WM in der Tschechoslowakei nominiert. Nach einem Kurzlehrgang und einem Trainingsspiel gegen die Bayern-Auswahl in Hof fuhren wir nach Gottwaldow, wo ich im Bruderkampf gegen die DDR drei Minuten vor Schluss beim Stande von 12:10 meine internationale Feuertaufe erlebte. Rudi Delfs war wegen Zeitschindens vom Platz gestellt worden, ich musste rein und es blieb bei diesem Ergebnis. Auf so eine Weise ist wohl noch kein anderer Spieler in die Nationalmannschaft gekommen.

Gab es damals schon so etwas wie Sieg- und Erfolgsprämien?
(lacht) Überhaupt nicht. Wir waren lupenreine Amateure, hatten alle einen Beruf, der uns auch forderte. Wir haben mit dem SV Möhringen vor 5000 Zuschauern in der Sporthalle Böblingen gespielt, aber das Fahrgeld zum Spiel habe ich selbst bezahlt. In der Nationalmannschaft erhielten wir zehn Mark Tages- spesen, einen Trainingsanzug und Turnschuhe, das war's. Auch die Sporthilfe oder private Sponsoren gab es damals noch nicht.

Wie oft wurde damals trainiert?
In den Vereinen wurde zwei Mal trainiert, die Nationalspieler wie Bernd Mühleisen und Günter Heger von Möhringen, Hermann Graf vom TSV Zuffenhausen oder Gerhard Grill von Frisch Auf Göppingen legten eine weitere Einheit zu. Das war damals aber immer noch zu wenig gegen die Mannschaften aus dem Ostblock, die damals schon nach Profi-Methoden trainierten. Das hatte bei der WM für diese Länder den Vorteil, dass sich die Spieler schon an die Kasernierung gewöhnt hatten, während bei uns einige schon nach drei Tagen den "Lagerkoller" bekamen.


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