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Sommer 2008
Rundfunkrat-Mitglied Rainer Brechtken fordert Sportsendung mit kritischem Hintergrund Wie sicher ist es, dass am 4. August 2008 die letzte Ausgabe der SWR-Sendung „Sport am Montag“ ausgestrahlt wird?
Die Geschäftsleitung des SWR hat ihre Position durchgesetzt und wird das jetzige reine Sportformat ändern. Der Rundfunkrat berät die Geschäftsleitung in Programmfragen. Ist also hier kein Entscheidungsgremium. Die Mehrheit des Gremiums teilt allerdings die Auffassung der Geschäftsleitung. Der Sendeplatz am Montag wird zu einer „Magazinsendung“ umgestaltet, die aber nach wie vor Sportbeiträge aus Baden-Württemberg sendet. Die Geschäftsleitung hat ausdrücklich zugesagt, dass auch künftig der Sport in dieser Sendung prominent und breit wiedergegeben wird. Darüber hinaus soll im Programm vermehrt Live-Sportberichterstattung erfolgen.
Ist es nicht die Pflicht einer öffentlich-rechlichen Sendeanstalt, den gesamten Sport wirklichkeitsnah abzubilden?
Man muss zuerst einmal fragen, welche Aufgaben hat eine öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt? Ihre Aufgabe ist die nicht an Gewinnen und Interessen orientierte Abbildung der Realität sowie die Weitergabe von Informationen, um eine sachgerechte Auseinandersetzung in der Gesellschaft zu gewährleisten. Dazu kommt noch die Aufgabe, Bindung zu schaffen und zum Zusammenhalt der Gesellschaft beizutragen. Der Sport ist hier ein interessantes Mittel. Denn Sport hat eine hohe emotionale Qualität und eine hohe Bindewirkung. Im Hinblick auf den öffentlich-rechtlichen Auftrag, muss natürlich eine öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt den Sport als Massenphänomen (Beispiel Fußball) abbilden. Aber sie muss auch darüber hinaus den Sport in seiner Gesamtheit darstellen. Deshalb bin ich der Auffassung, dass eine eigene als Sportsendung erkennbare Sendung notwendig ist, in der der Sport in Baden-Württemberg in seiner ganzen Breite abgebildet wird. Ich räume ein, dass der Montag ein nicht ganz unproblematischer Termin ist. Ich setze auf ein „Gesamtkonzepte Sport“ der Sendeanstalt, in dessen Rahmen an einer geeigneten Stelle solch eine Sendung angeboten wird. Dies ist bislang noch nicht durchgesetzt. Ich werde weiterhin gemeinsam mit meinen Kollegen um eine solch fest umrissene eigenständige „Sportstrecke“ kämpfen.
Es gibt einen Alternativvorschlag der Intendanz, die Inhalte der Sendung „Sport am Montag“ auf andere Sendungen zu verteilen. Wie attraktiv ist dieses Angebot für den Sport?
Die Zusage des Senders zu dieser Vorgehensweise ist gemacht und ich gehe davon aus, dass dies umgesetzt wird. Es gibt deutliche Fortschritte in der Sportberichterstattung in allgemeinen Magazinsendungen, in der Landesschau oder auch in den Nachrichtensendungen. Ich halte das auch für richtig, denn Sport hat neben seinem ureigenen Charakter auch eine hohe gesellschaftspolitische Relevanz. Deshalb ist es gut, wenn der Sport auch in andere Sendungen stärker einbezogen wird. Deshalb möchte ich nochmals ausdrücklich betonen, dass dies eine gute Entwicklung ist. Darüber hinaus gibt es die Zusage seitens des SWR, künftig mehr Live- und aktuelle Sportübertragungen im dritten Programm auszustrahlen als bisher. An der Durchsetzung der Zusage werden wir die Geschäftsleitung messen. Des Weiteren werden wir Gesprächsebenen zwischen Sport und Sportredaktion organisieren, um eine noch bessere Abstimmung zu erreichen, denn auch der Sport muss seine Veranstaltungen im Hinblick auf die Bedürfnisse des Fernsehens verändern.
Wenn, „Sport am Montag“ abgeschafft wird, werden viele Sportarten, darunter auch das Turnen, endgültig aus den Augen der Öffentlichkeit verschwinden, gibt es für diesen Notfall in den Sportorganisationen alternative Konzepte?
Derzeit gibt es für die Sportberichterstattung keine Alternative zum Fernsehen. Das Fernsehen kann alle erreichen, ist massen- und somit auch werbe- und Einnahmewirksam. Deshalb wird unser Partner immer auch das öffentlich-rechtliche Fernsehen sein. Ich hoffe, dass die Zusagen eingehalten werden, dass in der neuen Montagssendung Sport nach wie vor prominent vertreten ist. Ich bin auch sicher – und wir werden das überwachen – dass die Ausbreitung der Sportberichterstattung in andere Programme hinein fortgesetzt wird. Und wir werden vor allem im gemeinsamen Gespräch anmahnen, dass es mehr Sportdirektübertragungen geben wird. Dennoch bin ich der Meinung, dass wir eine TV-Sportstruktur brauchen, die als solche erkennbar ist. Sie muss innerhalb des Sports nachvollziehbar sein und die gesamte Breite in Kurzberichten darstellen. Kritische Aspekte bei der Betrachtung gehören dabei zum Gegenstand der Berichterstattung.
-->> Stichwort Rundfunkrat
LSV-Vizepräsident Rudi Krämer (72) und Rainer Brechtken (63) sind entsprechend dem SWR Staatsvertrag die beiden Vertreter der Sportverbände im Rundfunkrat und Mitglieder des Landesfernsehausschusses Baden-Württemberg. Krämer wurde im Januar erneut zum Vorsitzenden des Landesfernsehausschusses gewählt. Der Rundfunkrat ist bei allen öffentlich-rechtlichen Anstalten der Bundesrepublik Interessenvertreter der Allgemeinheit und das höchste für die Programmkontrolle zuständige Aufsichtsgremium. Der Rundfunkrat des Südwestrundfunks setzt sich aus 74 Mitgliedern zusammen. 51 Mitglieder sind aus Baden-Württemberg, 23 aus Rheinland-Pfalz entsandt.
Quelle: stb-Magazin
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